Trassierung für ein 200 Kilometer langes Hochspannungs-Gleichstromkabel
Pfadfinder für SuedOstLink+
Mit dem SuedOstLink+ baut der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz eine leistungsfähige Stromtrasse, die Gleichstrom aus der Nähe Schwerins nach Wolmirstedt, knapp 20 Kilometer nördlich von Magdeburg, transportieren wird. Wo die neue Leitung am besten verläuft, wird derzeit mit der Unterstützung von Fichtner erarbeitet. Zu unseren Aufgaben gehören unter anderem die Planungskoordination, die komplette Trassierung, die Planung des Tiefbaus sowie das Erstellen der Unterlagen für die Genehmigungsanträge.
200 Kilometer Hochspannungs-Gleichstromübertragung
Mit der Energiewende nehmen nicht nur Deutschlands Erzeugungskapazitäten für grünen Strom zu, sondern auch die Stromnetze befinden sich im Wandel (siehe Netzentwicklungsplan). Um Windstrom aus dem Norden zu den Verbrauchern in Süddeutschland zu bringen, sind neue Trassen geplant. Einige davon werden als Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) ausgeführt (siehe auch Kastentext weiter unten). Zu diesen neuen HGÜ-Leitungen gehört der SuedOstLink+, ein Projekt von 50Hertz.
Ab 2032 sollen durch den SuedOstLink+ bis zu 2.000 Megawatt elektrische Leistung von einem Anschlusspunkt westlich von Schwerin in den Landkreis Börde bei Magdeburg fließen. Dort soll die ca. 200 Kilometer lange Trasse an den SuedOstLink anschließen, der weiter nach Bayern führen wird.
Viele Einflussfaktoren, manche Zielkonflikte
Bei der Planung einer HGÜ-Leitung wie SuedOstLink+ sind viele Einflussfaktoren zu berücksichtigen:
- Technische und wirtschaftliche Faktoren
- Interessen der Grund- bzw. Landbesitzer
- Natur- und Artenschutz, Schutzgebiete
- Land- und forstwirtschaftliche Interessen
- Geologische Herausforderungen
- Wasserwege, Seen und Grundwasser
- Bebauung (Hochbau, Tiefbau)
- Verkehrsinfrastrukturen wie Bahngleise und Straßen
- Strommasten, Wasser-, Fernwärme- und Gasleitungen
- Evtl. archäologische Funde und Kampfmittel
- Die für den Bau temporär nötigen Bauflächen und -straßen
- …
In Anbetracht der Vielzahl an Faktoren kann es herausfordernd sein, sämtliche Anforderungen und Interessen umfassend zu integrieren. Diese Komplexität eröffnet jedoch die Chance, kreative und innovative Lösungen zu entwickeln, die das gesamte Projekt voranbringen. Durch die ganzheitliche Betrachtung des Projekts und die sorgfältige Analyse der Wechselwirkungen kann ein ausgewogenes Ergebnis erreicht werden, das die unterschiedlichen Interessen zusammenführt.

Für die Bundesfachplanung wurden mehrere mögliche Korridore für den SuedOstLink+ aufgezeigt und ein Vorzugskorridor definiert. Die detaillierte Trassenplanung erfolgt für den von der Bundesnetzagentur festgelegten Korridor.
(Bildquelle: 50Hertz Transmission, GeoBasis-DE / BKG 2023)
Planung von grob nach fein
Der Blick auf das Ganze ist zunächst ein grober, denn vor einer Planfeststellung und detaillierten Trassenplanung ist eine Bundesfachplanung zu durchlaufen. In den Anträgen werden Korridore mit 1.000 Meter Breite vorgeschlagen, innerhalb derer die Stromtrasse später verlaufen könnte. Das Erarbeiten möglicher Korridore beginnt mit einem Ausschlussverfahren, denn viele Flächen, zum Beispiel Schutzgebiete, dürfen ohnehin nicht genutzt werden. Eine Verlegung in dicht bebauten Gebieten brächte – wenn sie überhaupt durchführbar wäre – eher hohe Kosten und viele Akzeptanzprobleme mit sich. Auch technische Kriterien reduzieren die Zahl der möglichen Korridore, etwa die einzuhaltenden Abstände zu bestehenden Infrastrukturen oder die verfügbaren Flächen für den Anschluss des HGÜ-Kabels. Für den SuedOstLink+ ergaben sich dennoch viele potenzielle Korridore. Im Sommer 2024 reichte 50Hertz ihre Korridorvorschläge für den SuedOstLink+ bei der Bundesnetzagentur ein und legte mit dem sogenannten Vorzugskorridor eine bevorzugte Trassenoption fest. Diesen Vorzugskorridor bestätigte die Bundesnetzagentur im Juni 2025.
Suche nach dem optimalen Verlauf
Noch im selben Monat übermittelte 50Hertz der Bundesnetzagentur einen Vorschlag, der den groben Trassenverlauf innerhalb des Korridors beschreibt. Auf der Grobtrasse baut die Feinplanung auf. Den optimalen Trassenverlauf zu finden, ist eine komplexe Herausforderung, die viel Know-how und Personalkapazität erfordert. Daher zog 50Hertz das Planerteam für „Lineare Infrastruktur“ von Fichtner sowie das Ingenieur-Büro Inros Lackner SE für die Trassenplanung hinzu. Zu den beauftragten Leistungen gehören:
- Planung Tiefbau
- Flächenplanung (z. B. Baustellen und Zuwege)
- 2D- und 3D-Kabelplanung
- Planerstellung
- Kommunikation mit den Trägern öffentlicher Belange
- Überwachung der Baugrunduntersuchung
- Datenabfrage (Fremdleitungen, Kampfmittel etc.)
- Projekt-GIS- und Web-GIS-Betreuung
Da die Planfeststellung im Jahr 2027 abgeschlossen sein soll und der Beginn der Bauarbeiten für 2028 vorgesehen ist, starteten die Arbeiten zur Trassenplanung schon im Herbst 2023, lange vor der Bestätigung des Vorzugskorridors durch die Bundesnetzagentur. Zum Beispiel fanden bereits die ersten Baugrunduntersuchungen statt. Hierbei wird der Boden etwa alle 100 Meter bis zu vier Meter tief erkundet. Wo die Kabelverlegung nicht durch Ausheben eines Grabens erfolgt, sondern im sogenannten geschlossenen Verfahren, wird der Boden sogar bis zu einer Tiefe von 40 Metern erkundet. Dies ist zum Beispiel dort erforderlich, wo eine Hochgeschwindigkeitsstrecke der Bahn oder ein Fluss zu unterqueren sind.
Weniger Verluste mit Hochspannungs-Gleichstromübertragung
Die Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) transportiert große elektrische Leistungen mit geringeren Verlusten über lange Strecken als eine Wechselstromleitung mit 220 oder 380 Kilovolt (kV). Daher werden einige der neuen Nord-Süd-Verbindungen als HGÜ-Leitung mit 525 kV gebaut. An ihren Leitungsenden sorgen Konverterstationen für die Umwandlung von Wechsel- in Gleichstrom bzw. umgekehrt.
Grundsätzlich lassen sich HGÜ-Leitungen – ähnlich wie Wechselstrom-Transportleitungen – als Freileitungen (an Masten) oder als erdverlegte Kabel ausführen. Damit die neuen Leitungen die Landschaft möglichst nicht beeinträchtigen, gilt bei den innerdeutschen HGÜ-Verbindungen ein Erdkabelvorrang. HGÜ-Freileitungen sollen nur gebaut werden, wenn eine unterirdische Leitung aus technischen, ökologischen oder ökonomischen Gründen nicht sinnvoll ist. Für Landwirte bedeutet eine unterirdische HGÜ-Leitung in der Regel keine Einschränkung, denn die Kabel liegen etwa 1,5 Meter tief unter der Erdoberfläche.
Bei der Trassenplanung von SuedOstLink+ sind neben zu unterquerenden Flüssen und Bächen auch Gewässer in Forstflächen und die Grundwasserstände zu beachten. Dabei konnte das Team „Lineare Infrastruktur“ auf das Wissen der Fichtner Water & Transportation zurückgreifen. Weitere Unterstützung aus der Fichtner-Gruppe erhielt das Projekt SuedOstLink+ von der Fichtner IT Consulting. Die IT-Spezialisten haben unter anderem das webbasierte Geoinformationssystem (GIS) umgesetzt, über das projektbeteiligte Personen Zugriff auf den aktuellen Planungsstand haben. In dem GIS lässt sich zum Beispiel der Verlauf des Kabels in drei Dimensionen visualisieren.
Dank der weit fortgeschrittenen Trassenplanung erfolgt die Planfeststellung im Projektzeitplan. Die Bauarbeiten für den SuedOstLink+ können dann pünktlich aufgenommen werden und der erste Strom 2032 durch die neue HGÜ-Verbindung fließen.
Projekt-Website: https://www.50hertz.com/SuedOstLinkPlus
Juni 2026

Niels Moritz Weber
Teil-Projektleiter im Geschäftsbereich Lineare Infrastruktur

