Neue Fernwärme-Verbindungsleitung in Bremen

Mitten durch die Stadt, pünktlich ins Ziel

Im Rahmen eines zentralen Projekts zum Ausbau der Fernwärmeversorgung in der Hansestadt Bremen wurde eine 7,5 Kilometer lange Fernwärme-Verbindungsleitung durch das Stadtgebiet realisiert. Die Experten von Fichtner Water & Transportation übernahmen dabei die Planung, die Bauoberleitung sowie die örtliche Bauüberwachung. Auftraggeber war der Fernwärme-Netzbetreiber wesernetz Bremen GmbH. Neben einem engen Zeitrahmen stellte insbesondere der dicht bebaute und intensiv genutzte städtische Raum hohe Anforderungen an Planung und Ausführung. Zahlreiche Interessen, technische Vorgaben und Randbedingungen mussten sorgfältig koordiniert und berücksichtigt werden. Entsprechend waren neben fundierter ingenieurtechnischer Expertise auch ein hohes Maß an Koordinationsfähigkeit, Kommunikationsstärke und Flexibilität erforderlich.

Fernwärme-Verbindungsleitung Bremen

Der städtische Raum in Bremen ist stark verdichtet. In der historisch gewachsenen Hansestadt nutzen Autos, Fahrräder, E‑Scooter und Fußgänger ebenso wie Straßenbahnen, Busse und Lieferfahrzeuge die begrenzten Verkehrsflächen. Auch im Untergrund ist der verfügbare Raum nahezu vollständig belegt. Ein dichtes Netz aus Strom-, Gas-, Wasser-, Kanal- und Telekommunikationsleitungen durchzieht den Untergrund. Vor diesem Hintergrund stellte der Bau einer mehrere Kilometer langen Fernwärme‑Verbindungsleitung durch die Stadt eine besonders anspruchsvolle Aufgabe dar. Gleichzeitig war das Vorhaben eine grundlegende Voraussetzung für den geplanten Kohleausstieg in Bremen.

Viele Jahre lang versorgte der Steinkohleblock im Kraftwerk Bremen-Hastedt den Bremer Osten mit Fernwärme und erzeugte zugleich Strom in Kraft-Wärme-Kopplung. Im Rahmen ihrer Klimaschutzstrategie stellte die swb AG die Kohleverstromung am Standort zum 30. April 2024 ein. Mit der Stilllegung entfielen sowohl Wärme- als auch Stromerzeugung aus dem Kohleblock. Die Versorgung wurde durch das 2023 in Betrieb genommene gasbasierte Blockheizkraftwerk in Hastedt sowie durch die stärkere Nutzung klimafreundlicher Wärmequellen ersetzt.

Schlüsselprojekt für den Kohleausstieg in Bremen

Eine wesentliche Voraussetzung für den Kohleausstieg war der Bau der Fernwärme-Verbindungsleitung zwischen den Netzen Horn-Lehe/Universität und Bremen-Ost. Dadurch kann Wärme aus dem Müllheizkraftwerk im Universitätsbereich einen Teil des Wärmebedarfs im Bremer Osten decken und die Versorgungssicherheit nach dem Wegfall des Kohleblocks gewährleisten. Zusammen mit dem neuen Blockheizkraftwerk wurde damit die technische Grundlage geschaffen, die Wärmeversorgung auf eine deutlich klimafreundlichere Basis umzustellen.

Die wesernetz Bremen GmbH, eine Tochter der swb AG, beauftragte Fichtner mit der Planung und Bauoberleitung dieses Vorhabens. Die Experten von Fichtner verantworteten die gesamte technische Planung des Projekts. Sie erstellten eine Machbarkeitsstudie, übernahmen die Vor-, Entwurfs-, Genehmigungs- und Ausführungsplanung und bereiteten die Vergabe vor. Darüber hinaus war Fichtner mit der Bauoberleitung, der örtlichen Bauüberwachung sowie der Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination betraut. Trotz des äußerst engen Zeitrahmens konnte wesernetz die 7,5 Kilometer lange Verbindungsleitung zwischen den beiden Fernwärmenetzgebieten Mitte 2024 plangemäß in Betrieb nehmen.

Doch mit der Inbetriebnahme war das Projekt noch nicht abgeschlossen: Auch in der anschließenden Phase bis zur endgültigen Abnahme der gesamten baulichen Leistungen im Jahr 2025 blieb Fichtner eng eingebunden. In diesem Zeitraum mussten zahlreiche Dokumentationen und Nachträge geprüft sowie insbesondere die Wiederherstellung der Oberflächen intensiv begleitet werden.

Technische Auslegung und Trassenführung im städtischen Raum

Die neue Verbindungsleitung mit Vor- und Rücklauf besteht aus zwei Kunststoffmantelrohren mit einer Nennweite von DN 500, bei denen das Stahl-Mediumrohr von einer Wärmedämmung und einem Kunststoffmantel umhüllt ist. Der Außendurchmesser des Mantelrohrs beträgt jeweils 71 Zentimeter. Daraus ergibt sich ein erforderlicher Leitungsgraben mit einer Breite von rund 3,40 Metern.

Die Planungsarbeiten begannen im Juni 2018 und konzentrierten sich zunächst auf die für den Trassenverlauf entscheidenden Abschnitte. Dazu gehörten die Querung der Bahnstrecke zwischen Bremen und Hamburg sowie von mehreren Straßenbahnlinien und stark frequentierter Kreuzungen. In insgesamt sechs Trassenabschnitten war es erforderlich, bestehende Infrastrukturen in geschlossener Bauweise zu unterqueren. Dabei kamen verschiedene Verfahren zum Einsatz, darunter zwei Microtunneling-Maßnahmen, mehrere Unterpressungen sowie der Einsatz des Stollenverbaus.

Interdisziplinäre Expertise aus einer Hand

In der Planungsphase zählte das Fichtner-Team bis zu 15 Mitarbeitende, darunter Experten für Graben- und Rohrleitungsbau, Siedlungswasser, Geotechnik, Brückenbauwerke oder Baulogistik sowie für das Erstellen der vielen Ausführungsdetails und technischen Zeichnungen. Durch die breite Aufstellung und die Vielzahl an ingenieurtechnischen Disziplinen innerhalb des Unternehmens ist Fichtner in der Lage, auch Projekte mit hohen fachlichen Anforderungen eigenständig und integriert zu bearbeiten. Insbesondere bei anspruchsvollen Vorhaben erweist sich diese interdisziplinäre Kompetenz als wesentlicher Mehrwert, der von Auftraggebern besonders geschätzt wird.

Mit Kompetenz, Kreativität und Kommunikationsstärke

Neben umfangreicher fachlicher Expertise waren im Projektverlauf auch ein hohes Maß an Kreativität sowie ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit erforderlich. Im Zuge der Planung und Umsetzung galt es, zahlreiche unterschiedliche Interessen und Anforderungen miteinander in Einklang zu bringen. Zu berücksichtigen waren vielfältige Anforderungen aus den Bereichen Verkehr, örtliches Gewerbe sowie von Feuerwehr und Polizei. Hinzu kamen restriktive Rahmenbedingungen, etwa aus dem Baum- und Umweltschutz, den Grundwasserverhältnissen und der Bodenbeschaffenheit. Darüber hinaus stellten die beengten Platzverhältnisse und die hohe Leitungsdichte im städtischen Bereich besondere Herausforderungen dar.

Gleichzeitig stand das Projekt unter erheblichem Zeitdruck, da die Stilllegung des Kohleblocks erst nach Inbetriebnahme der neuen Verbindungsleitung erfolgen konnte. Vor diesem Hintergrund wurde die Ausschreibung des in vier Baulose unterteilten Vorhabens parallel zum Planfeststellungsverfahren durchgeführt. Ein wesentlicher Beitrag zum Projekterfolg war die frühzeitige und transparente Einbindung der Träger öffentlicher Belange durch wesernetz. Fichtner unterstützte diesen Prozess, indem Workshops vorbereitet und technische Abstimmungsgespräche fachlich begleitet wurden.

Gemeinsam erfolgreich unter komplexen Rahmenbedingungen

Ein zentraler Erfolgsfaktor war die vertrauensvolle und engagierte Zusammenarbeit aller Mitwirkenden. Vorhaben dieser Größenordnung erfordern ein hohes Maß an Flexibilität sowie eine enge Abstimmung zwischen den Partnern. Dank offener Kommunikation und großem Einsatz aller Projektbeteiligten konnte das Fichtner-Team jederzeit schnell und zielgerichtet reagieren – insbesondere bei kurzfristigen Änderungen der Rahmenbedingungen, wie sie bei Projekten dieser Art häufig auftreten.

Malte Cordes, Gesamtprojektleiter von wesernetz, unterstreicht dies:
„Beim Planen und Bauen im städtischen Raum ist nicht zu unterschätzen, welche Bedeutung der enge Austausch zwischen den Projektpartnern sowie mit Behörden und weiteren Akteuren für den Erfolg des Vorhabens hat. Die Kolleginnen und Kollegen von Fichtner haben die vielschichtigen Abstimmungsprozesse mit hoher Professionalität gesteuert und kommunikativ hervorragend begleitet.“

Flexibel auf unvorhersehbare Situationen reagieren

Im Vergabeverfahren erhielten zwei Bauunternehmen den Zuschlag für die insgesamt vier Baulose, wobei ein Unternehmen drei Lose und das zweite ein Los übernahm. Der Baubeginn erfolgte im Februar 2022. Für die Umsetzung des Vorhabens bis zur Inbetriebnahme der Fernwärmeverbindungsleitung standen knapp zwei Jahre zur Verfügung. Angesichts des ambitionierten Zeitplans wurden zahlreiche Bauabschnitte parallel bearbeitet, in Spitzenzeiten bis zu zwölf gleichzeitig.

Während der Bauphase stellte Fichtner für die Bauoberleitung, die örtliche Bauüberwachung sowie die Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination ein interdisziplinäres Team mit bis zu acht Personen. Im Fokus stand dabei die effiziente Steuerung der komplexen Bauabläufe: Dazu gehörten die übergeordnete Kontrolle und Koordination der Ausführung, die laufende Optimierung von Bauablauf- und Terminplänen, ein aktives Nachtragsmanagement sowie die konsequente Sicherstellung der Arbeitsschutzanforderungen. Durch eine kontinuierliche Begleitung der Bauausführung mit mindestens drei Fachkräften vor Ort konnten Abweichungen frühzeitig erkannt und gezielt korrigiert werden, sodass die Einhaltung von Planungs- und Genehmigungsvorgaben gewährleistet blieb.

Auch nach der Inbetriebnahme unterstützte Fichtner das Projekt bis zur endgültigen Abnahme der gesamten baulichen Leistungen Ende 2025. In dieser Phase lag der Schwerpunkt auf der strukturierten Prüfung von Dokumentationen und Nachträgen sowie auf der Wiederherstellung der Oberflächen.

Fernwärme: Verbindungsleitung mit Vor- und Rücklauf

Bau der neuen Verbindungsleitung mit Vor- und Rücklauf: Zwei DN‑500‑Kunststoffmantelrohre mit einem Außendurchmesser von jeweils 71 Zentimetern werden in einem rund 3,40 Meter breiten und 2 Meter tiefen Leitungsgraben verlegt.

Wie bei Vorhaben dieser Komplexität nicht ungewöhnlich, kam es in der Bauphase immer wieder zu unvorhersehbaren Situationen, die kurzfristige Anpassungen erforderlich machten. Dazu zählten unter anderem Funde asbestbelasteter Leitungen im Untergrund, die aufwändige Schutz‑ und Sicherungsmaßnahmen notwendig machten. In anderen Fällen konnten geplante Straßenabschnitte aus verkehrsrechtlichen Gründen nicht wie vorgesehen genutzt werden, da sie zeitweise für Umleitungsverkehre anderer städtischer Maßnahmen benötigt wurden.

In solchen Situationen bestand die Aufgabe des Fichtner-Teams darin, jeweils technische, baulogistische und die wirtschaftlich beste Lösung zu finden, ohne den Termin der Inbetriebnahme zu gefährden. Dabei mussten die Entscheidungen häufig kurzfristig getroffen werden, um Stillstandskosten und Bauverzögerungen zu vermeiden. Dank des guten Miteinanders der Projektpartner, des kontinuierlichen fachlichen Austauschs und der konstruktiven Arbeitsatmosphäre gelang es stets, zeitnah und pragmatisch tragfähige Lösungen zu erarbeiten, die den Baufortschritt sicherten.

Beitrag zur Wärmewende

Mit dem Ausbau der Fernwärmeversorgung leisten wesernetz und swb AG einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung. Nach Angaben der swb AG ermöglicht allein die neue Verbindungsleitung eine Reduzierung der CO₂-Emissionen um rund 40.000 Tonnen pro Jahr, da künftig deutlich mehr Kunden mit Fernwärme aus emissionsärmeren Erzeugungsquellen versorgt werden als bisher. In Verbindung mit der Stilllegung des Kohleblocks im Kraftwerk Hastedt summiert sich die jährliche Emissionsminderung, den Angaben des Versorgers zufolge, sogar auf insgesamt etwa 2,5 Millionen Tonnen CO₂.

Bremen baut Fernwärme weiter aus: Folgeauftrag für Fichtner

Bremen hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2038 weitgehend klimaneutral zu werden. Vor diesem Hintergrund treibt swb den weiteren Ausbau der Fernwärmeversorgung in den kommenden Jahren konsequent voran. Angesichts der guten Zusammenarbeit bei der neuen Verbindungsleitung setzt wesernetz auch bei einem weiteren Schlüsselprojekt auf die Unterstützung von Fichtner. Bei der Sanierung und Erweiterung des in den 1970er-Jahren errichteten Oststranges – einer zentralen Versorgungsachse für die Fernwärme im Osten der Stadt – übernimmt Fichtner sämtliche Leistungen in den Bereichen Planung, Genehmigung und Vergabe.

Juni 2026

Fichtner-Mitarbeiter Maik Richter

Maik Richter

Abteilungsleiter Wärmenetze Hamburg
bei der Fichtner Water & Transportation GmbH

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