FICHTNER Talks 2025
Vom Zieldreieck zum
multidimensionalen Aktionsplan
Wie gelingt die Energiewende – und was braucht es, um das Netto-Null-Ziel bis 2045 zu erreichen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der FICHTNER Talks 2025. Unter dem Leitthema „Richtfest der Energiewende“ diskutierten Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik über Prioritäten, Herausforderungen und konkrete Handlungsschritte. Das Ergebnis: ein klares Bekenntnis zu einem multidimensionalen Aktionsplan, der über das klassische energiepolitische Zieldreieck hinausgeht.
KLARHEIT IN DER ZIELRICHTUNG
Bereits im Eröffnungsinterview betonten Dr. Andreas Weidler, CEO von Fichtner, und Sabine Nallinger von der Stiftung Klimawirtschaft, dass die kommenden Jahre entscheidend sein werden. Das provokante Motto des Tages verstand das Publikum sowohl als Kritik als auch als Ansporn, das „Richtfest“ der Energiewende tatsächlich zu erreichen.
Besonders eindrucksvoll ordnete Prof. Dr. Dr. h. c. Lars P. Feld die energiewirtschaftlichen und technologischen Beiträge in einen volkswirtschaftlichen Gesamtkontext ein. Karsten Schwanke, Klimaforscher und Wettermoderator, erinnerte daran, dass die physikalische Realität des Klimawandels keine Kompromisse zulässt – und unterstrich damit die Dringlichkeit gemeinsamen Handelns.

Karsten Schwanke,
Meteorologe und
ARD-Wettermoderator
VOM ENERGIEPOLITISCHEN ZIELDREIECK ZUM AKTIONS-VIELECK
In seiner Zusammenfassung visualisierte Moderator Dr. Albrecht Reuter das Ergebnis des Konferenztages: Aus dem bekannten Zieldreieck mit den Punkten Klimaschutz, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit entsteht ein multidimensionales Handlungsvieleck – ein Bild für das notwendige Zusammenspiel vieler Akteure und Disziplinen.
- Klimaschutz: Statt nur über Zieltemperaturen zu diskutieren, müsse jetzt der rasche Aufbau einer leistungsfähigen erneuerbaren Energieinfrastruktur im Mittelpunkt stehen.
- Bezahlbarkeit: Gelingt es, die gewaltigen Anfangsinvestitionen der Transformation zu stemmen, könne Energie langfristig günstiger und nachhaltiger werden als je zuvor.
- Versorgungssicherheit: Diese werde künftig stärker an die jeweilige Energieanwendung gekoppelt – nicht jede Nutzergruppe brauche dieselben Standards.

Schematische Darstellung der Metamorphose vom energiepolitischen Zieldreieck zum Aktions-Vieleck:
Die Grafik macht deutlich, dass die Energiewende kein Dreieck mehr ist, sondern ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren. Um erfolgreich zu sein, müssen Klima, Kosten, Versorgungssicherheit, Technologie, Digitalisierung, Recht, Organisation und internationale Zusammenarbeit gleichzeitig gedacht und gestaltet werden.
NEUE DIMENSIONEN: UMSETZUNG, DIGITALISIERUNG, BETEILIGUNG
Ergänzend dazu erweiterten die Teilnehmenden das Modell um weitere zentrale Handlungsfelder:
- Umsetzung beschleunigen: Die Innovationsgeschwindigkeit muss deutlich steigen. Mit dem Konzept des Technology Readiness Level (TRL) wurde verdeutlicht, wie wichtig es ist, neue Technologien schnell in den praktischen Einsatz zu bringen.
- Digitalisierung und Kommunikation: Deutschland liegt beim Infrastrukturausbau im internationalen Vergleich zurück. Digitale Vernetzung und künstliche Intelligenz können hier entscheidende Impulse liefern – auch wenn Rechenzentren selbst energieintensiv sind.
Damit diese digitale Infrastruktur jedoch wirksam genutzt werden kann, braucht es zugleich eine klare, verständliche und zielgerichtete Kommunikation zwischen allen Akteuren. - Menschen einbeziehen, Regulierung reduzieren: Die Energiewende wird nur gelingen, wenn sie als Gemeinschaftsaufgabe verstanden wird. Bürokratische Hürden müssen sinken, rechtliche Rahmenbedingungen verlässlicher werden.
DAS SYSTEM IM BLICK
Die FICHTNER Talks machten deutlich, dass es nicht nur um einzelne Maßnahmen geht, sondern um das Systemganze. Künftige Energiesysteme müssen widerstandsfähig gegenüber Klimafolgen und geopolitischen Krisen sein – beispielsweise durch dezentrale, autonome Energiezellen, die in das europäische Netz eingebettet sind.
Round Table mit Thomas Ammon, Prof. Christian Held, Anna Jasper-Martens, Karsten Schwanke, Matthias Zartmann, Ralf Klöpfer, Michel Nicolai und Albrecht Reuter

Am Ende stand die gemeinsame Erkenntnis: Wenn alle Beteiligten ihre Kompetenzen gezielt einbringen, kann das „Richtfest der Energiewende“ gelingen. Und der nächste Meilenstein steht schon fest: Das zehnjährige Jubiläum der FICHTNER Talks wird im September 2026 in Stuttgart gefeiert.
Oktober 2025

Dr. Albrecht Reuter
Wissenschaftlicher Leiter der FICHTNER Talks
Geschäftsführer der Fichtner IT Consulting GmbH

