Die angestrebte Dekarbonisierung der Energiewirtschaft und des Mobilitätssektors ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Wasserstoff hat das Potenzial, als speicherbarer, klimaneutral erzeugter Energieträger einen wesentlichen Beitrag zur Meisterung dieser Herausforderung zu leisten. Wir bei FICHTNER sind überzeugt, dass wir einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft leisten können – nicht nur indem wir unser Wissen und unsere langjährige Projekterfahrung teilen, sondern auch indem wir Netzwerke schaffen und mit anderen Akteuren gemeinsam an der Entwicklung neuer Ideen für eine sauberere Zukunft arbeiten.

60 Teilnehmer aus 16 Ländern

Aus dieser Überzeugung richteten wir im September 2019 unser erstes FICHTNER Forum Hydrogen aus. Wir brachten Vertreter und Entscheidungsträger internationaler Akteure aus den Bereichen Energie und Industrie wie Siemens, OGE, RWE, Equinor, Engie und ThyssenKrupp im legendären Regent Hotel Berlin zusammen, um ihren Blick auf und Ideen für die zukünftige Rolle von Wasserstoff zu diskutieren. In zwei Vortrags- und Diskussionsrunden sprachen hochkarätige Referenten über die Rolle von Wasserstoff bei der Transformation unsere Energiesysteme und waren sich einig: Wasserstoff wird ein unverzichtbarer Bestandteil der Energiewende sein. Besonders spannend waren die unterschiedlichen Sichtweisen der verschiedenen Branchen und ihre Beiträge zur Energiewende.

Ein interessantes Beispiel war der Vortrag von Randi Mette Hegseth von Equinor: Während Wasserstoff in Deutschland vor allem im Zusammenhang mit Power-to-Gas diskutiert wird, stellte sie einen aufschlussreichen Vergleich zwischen dem jährlichen europäischen Erdgasverbrauch von 1500 TWh und der Kapazität von 20 Milliarden 75d-Batterien von Tesla – oder etwa 200 Wasserkraftwerken – an. Die Dekarbonisierung dieses enormen Energieverbrauchs könne nicht allein durch Power-to-Gas erreicht werden, sondern nur durch die Nutzung von aus Erdgas gewonnenem Wasserstoff in Verbindung mit CO2-Abscheidung und -Speicherung.

Sichere, bewährte und zukunftsfähige Technologie

Dr. Andrei Zschocke von ThyssenKrupp erinnerte daran, dass die Elektrolyse keine Neuentwicklung ist, sondern eine bewährte Technologie mit langer Erfolgsgeschichte, nicht nur bei der Wasserstofferzeugung sondern auch bei der Produktion von Chlor. Er verwies darauf, dass ThyssenKrupp in der Lage sei, Power-to-Gas-Anlagen mit einer Gesamtkapazität von bis zu 600 MW pro Jahr zu produzieren.

Die Tatsache, dass die Wasserstofftechnologie marktreif ist, zog sich wie ein roter Faden durch den Tag. Prof. Stefan Schlechtriem vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) informierte über die Erfahrungen seines Instituts. Dort wurde jahrzehntelang bei der Erprobung von Raketentriebwerken mit großen Wasserstoffmengen gearbeitet – und das völlig unfallfrei. Auch Dr. Joachim von Schnitzler, Fichtner-Projektbereichsleiter für Öl und Gas, äußerte sich zu den Sicherheitsaspekten von Wasserstoffsystemen: Es gebe eine lange Tradition im sicheren Umgang mit Wasserstoff, die technischen Mittel dazu seien vorhanden und würden seit langem eingesetzt.

Davon, dass Deutschland und Europa ohne Wasserstoff ihre Emissionsreduktionsziele verfehlen werden, ist Dr. Thomas Hüwener, CTO der Open Grid Europe GmbH überzeugt:  Die Klimaziele können nur durch Sektorkopplung, Power-to-Gas und Wasserstoff erreicht werden. Dr. Hüwener stellte den geplanten Beitrag seines Sektors in Form von Projekten wie Hybridge vor. Er forderte die Regulierungsbehörden auf, Hindernisse für solche Bestrebungen zu beseitigen. Olivier Lhote von Engie arbeitete die technischen Möglichkeiten und Kritikpunkte an einer Nutzung des Erdgasnetzes für eine solche Sektorkopplung mit Wasser­stoff heraus – mit der wichtigen Erkenntnis, dass kleine Mengen an Wasserstoff im Netz ohne jegliche oder mit nur geringen Modifikationen als machbar angesehen werden können.

Mit der technischen Sicht auf die Sektorkopplung rundete Stefan Bergander das Thema ab. Er stellte Erkenntnisse aus dem HYPOS-Projekt vor, insbesondere in Bezug auf die Entwicklung und den Bau eines großen Salzkavernen-Untergrundspeichers für Wasserstoff, wie er für eine Wasserstoff­wirtschaft erforderlich sein wird.

Wie wird Wasserstoff zur Erfolgsgeschichte?

Die Entwicklung entsprechender Ideen, wie Wasserstoff in naher Zukunft zum Erfolg verholfen werden kann, war nicht nur in den meisten Vorträgen, sondern auch auf dem Podium unter der Moderation des Journalisten Heiko Lohmann von Energate Messenger ein heiß diskutiertes Thema. In diesem Kontext wurde auch die Kernaussage der Präsentation von Matthias Schlegel wieder aufgenommen: Zur Einleitung des Tages hatte der Senior Project Manager Energiewirtschaft bei FICHTNER über die Lehren und Erkenntnisse gesprochen, die FICHTNER aus verschiedenen Wasserstoffprojekten gezogen hat. Anschließend präsentierte er unsere Ideen und Empfehlungen zur erfolgreichen Entwicklung von Wasserstoffprojekten.

Es war beeindruckend an diesem Tag zu erleben, wie nicht nur Visionen entstehen, sondern dass viele Menschen ganz konkret daran arbeiten, Wasserstoff zu einem integralen Bestandteil unseres Energiesystems zu machen. Wir sind entschlossen, auch weiterhin daran mitzuwirken und freuen uns schon auf die Fortsetzung des FICHTNER Forums Hydrogen am 7. Mai 2020 in Köln – unsere Antwort auf die positive Resonanz unserer Gäste.

Sie dürfen gespannt sein!