Innovative Architekten nutzen heute zusätzliche Tools, um Bauherren bei der Entwurfspräsentation zu überzeugen: Virtuelle Realität, Echtzeit Renderings, fotorealistische Darstellungen oder interaktive Präsentationen können eine Entscheidung im Entwurfsprozess begünstigen. Das weiß ich spätestens seit meinem aktuellen Projekt: Zurzeit plane ich ein Technologiezentrum für die Firma Arburg in der Nähe von Nürnberg – ein deutsches Maschinenbauunternehmen, das weltweit zu den führenden Herstellern von Spritzgießmaschinen für die Kunststoffverarbeitung zählt. Die Fichtner Bauconsulting ist als Generalplaner für die Leistungsphasen 1 bis 8 des BIM-Projekts beauftragt. BIM steht für Building Information Modeling und kann mit Gebäudedatenmodellierung ins Deutsche übersetzt werden.

Bei unserem Projekt handelt es sich um die Erweiterung und Sanierung eines bestehenden Gebäudes mit Büro- und Schulungsräumen sowie einem 500 m² großen Showroom mit Galerie zur Ausstellung der Spritzgussmaschinen. In den letzten Wochen habe ich mit meinen Kollegen am Entwurf gearbeitet und ein interdisziplinäres Modell erstellt. Das Gebäude besteht aus einer Stahlbeton-Skelettkonstruktion mit einer Structural Glazing Fassade, einer Glasfassade, bei der die Glaselemente durch Verklebungen im Tragsystem gehalten werden. Das Besondere an unserem Projekt ist unter anderem auch das innovative Energiekonzept mit PV-Anlage und Geothermie.

Präsentation mit neuen Dimensionen

Dank Methoden wie BIM können Bauherren ihre Projekte gewissermaßen aus der Nähe erleben, Änderungen in der Raumplanung unmittelbar wahrnehmen und Projekte selbst virtuell durchlaufen. BIM ist also eine digitale Planungsmethode, die es ermöglicht, physische und funktionelle Merkmale einer Anlage digital darzustellen. Durch einen gemeinsam nutzbaren Pool relevanter Daten schafft BIM eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage während des gesamten Lebenszyklus des Bauwerks. Ein wesentlicher Vorteil ist der gemeinsame Zugriff und Datenaustausch.

Schnitt durch das Revit-3D-Modell

Schnitt durch das Revit-3D-Modell

Aus dem 3D-Modell werden 2D-Pläne, Visualisierungen, Echtzeit-Renderings und Videos generiert. Die neue Art der Präsentation und das digitale Entwerfen machen nicht nur mir persönlich Spaß, sondern begeistern auch die Kunden. Denn in einem intelligenten 3D-Modell stecken viele Möglichkeiten für mich als Architektin, aber auch Vorteile für den Auftraggeber: Entwurfsideen, Farbkonzepte oder Innenraumgestaltung werden klarer kommuniziert und Entscheidungen schneller herbeigeführt.

Einsicht in den Showroom aus dem 3D-Modell

Einsicht in den Showroom aus dem 3D-Modell

Das „Bauherrenkino“

Durch diese Methoden wird jede Entwurfspräsentation zu einem kleinen Event für den Bauherren. Zunächst stelle ich die aktuelle Planung wie gewohnt vor und präsentiere die Planstände. Doch anstatt nur Grundrisse, Ansichten und Wandabwicklungen als 2D-Pläne in einer PowerPoint Präsentation darzustellen, zeige ich beim Projekt Arburg Technologiezentrum zusätzlich Echtzeit Renderings und Videos. Der Kunde wird in eine Art „Bauherrenkino“ versetzt, sodass ich gemeinsam mit ihm virtuell in Echtzeit durch sein Gebäude gehen oder gewissermaßen fliegen kann.

Ein Highlight der Präsentation ist ein fotorealistisches Video vom Innenraum des Showrooms mit den ausgewählten Materialien und Oberflächen. Zu meiner Freude durfte ich es bei meiner letzten Präsentation gleich mehrmals abspielen.

Noch einmal richtig spannend wird es, wenn das Projekt Mitte 2021 fertiggestellt ist: Dann darf der Kunde Video und Realität vergleichen und erstmals live durch das Gebäude laufen.

Video von Showroom und Kundenbereich – erstellt aus dem 3D-Modell in Echtzeit:

Revit-Modell-Video